Das Nest ist leer-was nun?

Was tun wenn wir plötzlich aufhören Mutter zu sein? Okay, schon klar, natürlich hören wir niemals auf Mutter zu sein, egal wie alt die “Kinder” inzwischen geworden sind. Wir werden sie immer betüddeln, ihnen ihr Lieblingsessen kochen, sie immer unterstützen, egal ob materiell oder ideell. Dennoch kommt irgendwann für uns alle der Tag an dem die lieben Kleinen das Haus verlassen und sich ein eigenes Leben aufbauen, dass sich dann, zu allem Überfluss, auch noch größtenteils unserem wohlwollenden, gut gemeinten Einfluss entzieht.

Was fangen wir mit der neu gewonnenen Zeit an?

Wir wissen das vom Tag der Geburt unserer Lieblinge und trotzdem trifft es uns mehr oder weniger hart wenn sie unser warmes, sicheres Nest verlassen. Das sogenannte Empty-Nest-Syndrom sucht dann viele von uns heim und erwischt uns eiskalt.

All die Aufgaben, die wir pflichtbewusst und voller Liebe für unsere Kinder getätigt haben fallen mit einem Mal weg, und ein Tag ohne Kinder in der Gegend herumfahren, pünktlich kochen, unglaublich viel Wäsche waschen, Hinterlassenschaften hinter den lieben Kleinen herräumen, nicht zu vergessen die Erziehungsarbeit, kann ganz schön lang werden.

Sicher, die meisten von uns gehen zumindest Teilzeit arbeiten, dennoch, was treiben wir den Rest des Tages?

Lasst die Beziehung zu euren Kindern auch erwachsen werden

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die Beziehung zum Kind auch erwachsen werden zu lassen. Wir sind nicht mehr für alles zuständig und verantwortlich, unsere Kinder gestalten ihr Leben jetzt selbst, ob uns nun alles passt was sie machen oder nicht, wir müssen lernen es zu akzeptieren und ihnen zu vertrauen, dass sie das auch richtig gut können. Schließlich haben wir sie erzogen, was soll da also schon schiefgehen? Vielleicht sollten wir einfach mehr Vertrauen in unsere eigene “Arbeit” haben, darauf dass wir ihnen im Laufe von circa 20 Jahren alles beigebracht und mitgegeben haben was sie für ihre Selbstständigkeit brauchen.

Zeit sich Gedanken über sich selbst zu machen

Aber selbst wenn uns das gelingt, ist da immer noch die Zeit, die wir nicht mehr für unsere Kinder benötigen und die irgendwie sinnvoll, zumindest aber mit Dingen die uns Freude machen, gefüllt werden möchte.

Machen wir uns nichts vor, wenn wir nicht gerade die perfekte Hausfrau sind, die ihren Tag mit Putzen und Ordnung halten füllen kann oder will, oder Vollblutkarrierefrau sind, sollten wir uns, möglichst noch bevor die Kinder aus dem Haus sind, darüber Gedanken machen.

Ich hatte das große Glück, dass meine Mädchen, bevor sie endgültig ausgezogen sind, jeweils eine zwei- bzw. dreimonatige Reise absolviert haben. In dieser Zeit konnte ich mich schon einmal ein wenig daran gewöhnen ohne Kinder und den damit verbundenen Aufgaben zu sein. Ich kann das nur jeder Mutti empfehlen. Lasst es zu, wenn es eure Kinder nach der Schule in die weite Welt treibt, das hilft nicht nur euch, sondern ganz besonders euren Kindern. Sie werden mutigere und erwachsenere Menschen sein, als die die losgezogen sind und das tut ihrem weiteren Leben richtig gut. Ich für meinen Teil bin begeistert, wie sich meine Kinder in ihrer Reisezeit entwickelt haben und welch tolerante und lebenstüchtige Personen aus ihnen geworden sind.

In dieser Zeit konnte ich mir klar werden, was ich zukünftig machen möchte. Ob ich beruflich nochmal richtig durchstarten, mich meinen Hobbies intensiver widmen will oder ganz etwas anderes machen möchte. Ich bin sogar für eine Woche ins Kloster gegangen, um meinen möglichen Weg zu finden.

Bei dieser Suche kann euch leider keiner helfen, das müsst ihr tatsächlich ganz alleine hinbekommen. Klar eure Freunde und Familie können euch mit Rat und Tat zur Seite stehen, aber euren Weg finden könnt ihr nur selbst.

Wir sind nicht nur Mütter, wir sind Frauen, Partnerinnen, Freundinnen

Jetzt ist die Zeit gekommen, in der ihr euch ohne schlechtes Gewissen Dingen widmen könnt, die ihr vielleicht in den Jahren mit Kindern vernachlässigt habt. Wir sind nicht nur Mütter, wir sind Frauen, Partnerinnen und Freundinnen. Wir sind wertvolle Mitglieder der Gesellschaft, mit jeder Menge Potential und Wissen, das wir beisteuern können. Sicher Frauen in einem Vollzeitberuf tun sich da sicher etwas leichter, aber auch für alle anderen gibt es jede Menge zu tun. Ganz egal ob ihr ein Ehrenamt übernehmt, Yogakurse besucht, beruflich einen Neustart hinlegt, Sprachen erlernt…ihr müsst es nur tun.

Nehmt diese Zeit der “Neuerfindung” eurer selbst als etwas Positives wahr, das wird euch und euren Lieben helfen. Und macht euren Kindern niemals ein schlechtes Gewissen oder Vorwürfe, weil sie ein eigenes Leben führen, damit entfernen sie sich nur noch mehr von euch, und das nicht nur räumlich.

Zeit stolz zu sein

Ich würde lügen, würde ich behaupten dass mir das immer alles perfekt gelungen ist, auch ich hatte meine Tiefpunkte, aber alles in allem bin ich einfach nur stolz und glücklich darüber welche Entwicklung meine Kinder genommen haben und auch stolz darauf, dass ich ihnen behilflich sein durfte diese Entwicklung zu nehmen.

Ja, seid stolz auf euch, besinnt euch auf eure vielleicht längst vergessenen Stärken und darauf dass ihr nicht nur Mütter sondern mündige Frauen seid und geht, so gut es möglich ist, euren Weg. Seid offen für alles was da kommt und versteckt euch nicht. Und wenn ihr trauern müsst, dann gebt euch Zeit, Hauptsache ihr kommt aus dieser Trauerphase gestärkt heraus. Holt euch Rat von anderen Müttern, die das alles vielleicht schon hinter sich und diese Zeit gut bewältigt haben.

Wir sind aus dem Gröbsten raus und das ist auch gut so.

ChriSanThemen

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